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Prinz Himmelblau und Fee Lupine (D 2016)

Die Königin will, dass ihr Sohn Prinz Himmelblau eine Prinzessin aus gutem Hause heiratet. Hübsch soll sie sein, begütert, unkompliziert. Und auf keinen Fall soll sie über magische Kräfte verfügen. Doch Prinz Himmelblau will seine Braut selbst aussuchen und reitet mit seinem Knappen Fred los. Schon bald trifft er auf die entzückende Fee Lupine mit ihrem Pony Alfonse und ihrer Schwester Elli, die im Lager der Feen mitten im Königreich lebt. Auch Lupine ist angetan von dem Unbekannten.
Die Königin hat vom Schloss aus das Zusammentreffen mit einem magischen Fernglas beobachtet und ist entsetzt. Ausgerechnet auf eine Fee hat Himmelblau ein Auge geworfen. Dabei hasst die Königin magische Wesen aus tiefstem Herzen! Da die Zeit drängt und sie sich keinen besseren Rat weiß, lässt sie Confidante aus dem Turmverlies holen. Die Hexe sitzt dort seit zwei Jahren, weil sie versucht hatte, die Königin mit Hexenkunst vom Thron zu befördern. Sie soll nun verhindern, dass sich Himmelblau und Lupine verlieben.
Confidante, verkleidet als Krämerin, sucht Himmelblau und Lupine auf – und belegt sie mit einem doppelten Fluch: Ist der eine wunderschön, hat er einen schlechten Charakter. Der andere dagegen ist an dem Tag hässlich, aber von reinem Herzen. Und so soll es wechseln, Tag für Tag. Was niemand weiß: Confidante plant insgeheim, selbst Himmelblaus Frau zu werden und die Macht im Königreich an sich zu reißen.
Zunächst scheint Confidantes finsterer Plan aufzugehen. Himmelblau und Lupine haben mit dem Fluch schwer zu kämpfen. Sie erkennen sich in ihrer jeweils verfluchten Form nicht wieder. Sie können sich nicht leiden, werden besorgt beäugt von Elli und Fred. Doch am Ende kann ihre Liebe den Fluch besiegen – mit ein wenig Hilfe von Pony Alfonse und der geballten guten Macht aller Feen beim nächtlichen Showdown mit der Hexe im Feenwald.

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Filminformationen
Regie: Markus Dietrich
Drehbuch: Annette Schönberger
Kamera:
Christoph Iwanow
Ton:
Tina Dobbertin
Schnitt:
Andreas Baltschun (BFS)
Musik:
André Feldhaus
Kostüme:
Riccarda Merten-Eicher
Maske:
Astrid Lehmann
Szenenbild:
Veronika Grosse
Produktion:
 Bremedia Produktion GmbH
Produktionsleitung: Frank Berszuck
Produzent: Katharina Wagner, Heidi Bruns
Redaktion:
Michaela Herold (Radio Bremen),
Astrid Plenk (MDR), Ole Kampovski (NDR)
Auftragssender:
ARD, RB, MDR, NDR
Drehorte: Burg Falkenstein, Bremen, Verden, Schwanewede
Drehbeginn: 21.06.2016
Drehende:
08.07.2016
Erstausstrahlung:
25.12.2016 (ARD)
DVD-VÖ:
02.12.2016
Spieldauer:
60 Minuten
Autor:
Christoph Martin Wieland
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Darsteller
Prinz Himmelblau: Jonathan Berlin
Fee Lupine: Ruby O. Fee
Königin: Mechthild Großmann
Knappe Fred: Patrick Güldenberg
Schwester Elli: Sarina Radomski
Confidante: Friederike Kempter
Lakal 1: Enno Hesse
Lakal 2: Daniel Frantisek Kamen
Jüngling Berthold: Benno Bings
Jüngling Aurel: Maximilian Braun
Fotos: Radio Bremen / Michael Ihle
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Autor Marcel Zischg

Marcel Zischg, geboren 1988 in Meran, aufgewachsen in Naturns im Vinschgau.
Nach dem Schulabschluss an der Handelsoberschule „Franz Kafka“ in Meran folgt das Studium der Germanistik in Innsbruck.
Unter dem Titel „Sehnsucht“ erschien im Jahr 2010 Zischgs Erzählung „Das Haus“ in der Studentenzeitschrift „Der Kaktus“ der Universität Innsbruck.
Im August 2012 schloss Zischg sein Bachelorstudium in Germanistik ab. Seit Oktober 2012 studiert er wieder Germanistik, diesmal als Masterstudium. Mitte 2013 wird Zischgs erster Erzählband „Familie am Bach“ im Provinz-Verlag in Südtirol erscheinen.

Es ist gewiss eine Seltenheit, dass ein Sender sich an ein unbekanntes, noch nie verfilmtes (nicht von Grimm stammendes) Märchen heranwagt wie "Himmelblau und Lupine" – umso erfreulicher mutet es an, sich mit dem Stoff eines großen Autors und Denkers wie Christoph Martin Wieland einmal filmisch auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang ist es wohl angebracht, sich in einem ersten Schritt mit dem Ursprung der verfilmten Geschichte selbst auseinanderzusetzen.

"Himmelblau und Lupine" ist eine Liebesgeschichte. Das Märchen ist enthalten im sog. Dschinnistan, einer Geschichtensammlung, die Wieland Ende des 18. Jahrhunderts herausgab und die Feen- und Geistermärchen enthält.
Im Märchen von Wieland steht eine Fee namens Lupine im Mittelpunkt, die durch den Fluch eines Zauberers an einigen Tagen schön ist, aber dafür böse im Herzen; an anderen Tagen ist sie wiederum gutmütig, jedoch von hässlicher Gestalt. Ebenso verflucht ist der Prinz Himmelblau. Die beiden sind sich einander in Liebe zugeneigt, jedoch ist Lupine immer dann schön und herzlos, wenn der Prinz hässlich und gutmütig ist und umgekehrt, sodass ihre Herzen nie zueinander finden können. Einer Fee namens Confidante imponiert die Hartnäckigkeit des Himmelblau, der in seiner hässlichen Gestalt immerfort an der Hoffnung auf Liebe zu Lupine festhält, und sie macht ihm Avancen. Dies schürt die Eifersucht der schönen, aber kaltherzigen Lupine, die daher zunächst nur so tut, als würde sie dem hässlichen Himmelblau entgegenkommen, und sich dabei tatsächlich immer mehr in ihn verliebt, woraufhin sich seine Hässlichkeit zu vermindern beginnt. Auf der Gegenseite wird der schöne, aber herzlose Himmelblau eines Tages von einer Räuberbande mit einem giftigen Pfeil schwer verwundet, woraufhin die herzensgute, aber hässliche Lupine all ihren Mut und ihre Liebe zusammennimmt und das Gift aus der Wunde saugt, so sehr sich der kaltherzige Himmelblau auch dagegen sträubt. In diesem Augenblick erhält auch der hochnäsige Himmelblau eine Seele; er hört auf, gefühllos zu sein – wie die schöne Lupine aufgehört hat, herzlos zu sein. Sie erkennen endlich gegenseitig ihre große Liebe, womit die Botschaft, dass Liebe schön und geistvoll macht und dadurch schwerer wiegt als natürliche Schönheit, ihr gutes Ende findet.

Soweit die Vorlage. Regisseur Markus Dietrich setzt das Märchen mit einigen Veränderungen zum Text um: So sind Himmelblau und Lupine nicht von Anfang an verzaubert und man bekommt mit, wie sie sich ineinander verlieben, was sehr schön ist.
Die Königin, die Mutter von Himmelblau, wünscht jedoch keine Fee an der Seite ihres Sohnes, weil sie sich eine wohlhabende Prinzessin für ihn aussuchen will. Was sie zudem so sehr gegen die Feen an sich abstößt, bleibt aber im Dunkeln. Confidante, die Fee im Originaltext, ist im Film eine verbannte Hexe, mit deren Hilfe die Königin Himmelblau und Lupine auseinanderbringen will. Confidante ist es auch, die die beiden mit dem fürchterlichen Fluch aus dem Originaltext belegt: Himmelblau bekommt ein kaltes Herz und Lupine ein hässliches Äußeres. Vorerst triumphiert die Hexe, da Himmelblau Lupine verstößt. Der Bann wechselt von da an jede Nacht, sodass die Geliebten nie zueinander finden. Wie die beiden schließlich doch noch ihre Liebe füreinander entdecken, sei an dieser Stelle aber nicht verraten.

Der ARD ist eine gelungene Verfilmung des Märchens gelungen, die sich weitestgehend an das Original von Wieland hält. Die Handlung fließt wesentlich schneller dahin als im schwer formulierten Originaltext, was dem Film zusätzlich mehr Dichte verleiht und keine Langatmigkeit aufkommen lässt. Die Schauplätze, Bremen, Schwanewede und Burg Falkenstein in Sachsen-Anhalt, verleihen dem Film eine zauberhafte, heitere, aber an manchen Stellen auch sehr düstere Atmosphäre. Der Film ist sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder geeignet, da die Hexe (Friederike Kempter) nicht gruselig anmutet und an manchen Stellen gar lustig bzw. tollpatschig agiert. Die Schauspieler von Himmelblau (Jonathan Berlin) und Lupine (Ruby O. Fee) vermitteln eine lockere, liebenswürdige Darstellung ihrer Rollen, verleihen aber auch der Tragik der ersten zerbrochenen Liebe eine authentische Ausdruckskraft, die nicht übertrieben anmutet. Zu schwierig ist der Film vielleicht für kleinere Kinder, da die Handlung doch ein stärkeres Einfühlungsvermögen erfordert, welches in die Tiefe geht und dadurch womöglich noch etwas zu komplex ist.

23.05.2017

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