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Die weiße Schlange (D/A 2015)

Der junge, tierliebe Endres will mehr als nur das karge Leben eines Bauern führen. Großes Vorbild ist ihm der prächtige König, der in seiner Allwissenheit das Wetter vorhersagen wie auch den kleinsten Diebstahl durchschauen kann. Doch Endres’ Ambitionen werden vom eigenen Vater als Anmaßung verstanden. Nicht bereit, seine Träume fahren zu lassen, wird Endres verstoßen.

In seiner Not weiß Endres kein anderes Ziel als die Burg des von ihm so verehrten Königs. Endres ist von der dortigen Pracht wie auch der Anmut der Königstochter überwältigt und ergreift die sich ihm bietende Gelegenheit, dem König seine Untertänigkeit zu beweisen. Fortan darf er diesem als Leibdiener zu Diensten sein. Doch Endres verwundert sehr, dass seine Aufgabe vor allem im alltäglichen Servieren einer verschlossenen goldenen Schüssel besteht, mit welcher der König stets allein zurück bleibt. Selbst Königin und Prinzessin wissen nicht, was es mit der Schüssel auf sich hat.

Mit der Zeit wird Endres unfreiwillig Zeuge ungewöhnlicher, gleichsam magischer Vorkommnisse, die seine Sicht auf den idealisierten König sukzessive verändern. So entdeckt Endres, dass der König die Fähigkeit besitzt mit Tieren zu sprechen. Er ahnt, dass die königliche Allwissenheit hier ihre Ursache hat und sieht sich bestätigt, als der König einen Grafen um seine Länderein prellt, indem er von Dingen weiß, die kein Mensch wissen kann. Endres will seine Entdeckungen mit der Prinzessin teilen, wagt es jedoch nicht, ihr den Vater zu dämonisieren. Seine Treue zum König aber ist dahin. Ein Versuch, heimlich in die goldene Schüssel zu schauen, scheitert, während der König selbst beginnt, an der Verlässlichkeit seines Dieners zu zweifeln.

Als die Königin fälschlicherweise Endres des Diebstahls eines ihrer Ringe beschuldigt, sieht der König seinen Verdacht bestätigt und verurteilt Endres zum Tode. Nur durch Intervention der Prinzessin erhält Endres eine Gnadenfrist, um seine Unschuld zu beweisen. In seiner Verzweiflung versucht Endres erneut, in die Schüssel zu schauen, und findet eine magische weiße Schlange, deren Verzehr ihm die Fähigkeit der Tiersprache verleiht. Mit dem Wissen der Tiere gelingt es Endres, den vermeintlichen Diebstahl aufzuklären. Dennoch muss er fliehen, denn er hat magischen Rausch die ganze Schlange verspeist.

Endres’ Freude über die gelungene Flucht währt jedoch nur kurz, da die Büttel des Königs seine Familie in Sippenhaft nehmen. Von den Tieren, denen gegenüber sich Endres stets gütig und warmherzig gezeigt hat, erfährt er von einem magischen Schlangengarten, in dem eine weitere weiße Schlange lebt. Entschlossen diese dem König zu bringen, um seine Schuld zu begleichen und so seine Familie zu retten, macht sich Endres mit Hilfe der Tiere, die ihm seine Güte vergelten wollen, auf den Weg. Doch auch der König hat mittlerweile vom Schlangengarten erfahren und ist besessen davon, sich die Macht der Tiersprache mit allen Mitteln wiederzuholen.

Als Endres die magische Schlange findet, muss er sich entscheiden, das letzte Exemplar dieser wundersamen Spezies zu opfern oder gegen den von ihm einst so verehrten König die Hand zu erheben, um für die Schlange, die Menschlichkeit und auch die Prinzessin, die mittlerweile die Machtgier ihres Vaters zu spüren bekommen hat, zu kämpfen. Obwohl im ritterlichen Schwertkampf dem König hoffnungslos unterlegen, stellt sich Endres seinem Schicksal und wird mit Hilfe der Schlange zum Helden.

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Filminformationen
Regie: Stefan Bühling
Drehbuch: Max Honert, Jörg Menke-Peitzmeyer
Kamera:
Hermann Dunzendorfer
2. Kamera:
Volker Gläser
Schnitt:
Clare Dowling
Ton: Roland Winkler
Szenenbild:
Rudi Czettel
Musik:
Stefan Maria Schneider
Sounddesigner: Udo Hilbert
Mischung: Luigi Rensinghoff  
Licht:
Herbert Kohlhammer
Kostüme:
Christoph Birkner
Maske:
Monika Krestan, Beate Lentsch-Bayerl
VFX:
Andreas Alesik
Aufnahmeleiter:
Maja Wieser-Benedetti
Produktionsleiter:
Andrea Minauf
Produzent:
Thomas Teubner, Michael Cencig
Redaktion / Dramaturgie: Irene Wellershoff,
Götz Brandt
Produktion:
 Provobis, Metafilm
Auftragssender: ZDF
Drehorte: Schloss Rosenburg/Horn,
Schloss Greillenstein
Drehbeginn:
08.09.2014
Drehende:
04.10.2014
Erstausstrahlung:

19.12.2015 (ZDFneo)
24.12.2015 (ZDF)
Spieldauer:
90 Minuten
Autor:
Brüder Grimm
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Besonderheit
Filmpremiere bei folgenden Filmfestivals:
30.09.2015, "Lucas - 38. Internationales Kinderfilmfestival" (Frankfurt)
02.10.2015, "Lucas - 38. Internationales Kinderfilmfestival" (Frankfurt)
07.10.2015, "Michel - Kinder und Jugend Filmfest" (Hamburg)
21.11.2015, "Märchen-Filmfest" (Weimar)
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Darsteller
Endres: Tim Oliver Schultz
König Konrad: Reiner Schöne
Königin Beatrix: Jutta Fastian
Prinzessin Leonora: Frida Lovisa Hamann
Endres Mutter: Katinka Auberger
Mathis, Endres Vater: Roland Silbernagl
Endres Bruder: Moritz Uhl
Arnold: Dominik Raneburger
Hofmarschall: Wolfgang S. Zechmayer
Friedrich: Erwin Leder
Diener Heinrich: Heinz Trixner
Zofe: Laura Antonella Rauch
Graf Emrich: Rainer Frieb
Graf Lorenz: Jan Nikolaus Cerha

Filmtiere: Katja und Marlene Hawliczek, Michael Praig, Friedrich Grud
Falkner: Ulrike Stumvoll, Vladimir Garaj
Fotos: ZDF / Volker Glaeser
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 Drehbericht
 
 
 
 
 
 
 

Autor Marcel Zischg

Marcel Zischg, geboren 1988 in Meran, aufgewachsen in Naturns im Vinschgau.
Nach dem Schulabschluss an der Handelsoberschule „Franz Kafka“ in Meran folgt das Studium der Germanistik in Innsbruck.
Unter dem Titel „Sehnsucht“ erschien im Jahr 2010 Zischgs Erzählung „Das Haus“ in der Studentenzeitschrift „Der Kaktus“ der Universität Innsbruck.
Im August 2012 schloss Zischg sein Bachelorstudium in Germanistik ab. Seit Oktober 2012 studiert er wieder Germanistik, diesmal als Masterstudium. Mitte 2013 wird Zischgs erster Erzählband „Familie am Bach“ im Provinz-Verlag in Südtirol erscheinen.

2015 wagte sich das ZDF daran, ein sehr unbekanntes Grimm-Märchen zu verfilmen: „Die weiße Schlange“ ist an sich ein Märchen, das voller Motive und Symbole steckt. Zu Beginn setzt der Film diese noch recht vorlagengetreu um. Allerdings geht er schon bald seinen eigenen Weg, entfernt sich von der Handlung des Textes. Seinen Fokus legt die Umsetzung auf den Kampf zwischen König Konrad (Reiner Schöne) und dem Bauernsohn Endres (Tim Oliver Schultz).
König Konrad ist ein tyrannischer Herrscher: Er setzt seine übermenschlichen Fähigkeiten, welche ihm durch den Verzehr der weißen Schlange verliehen werden, gekonnt ein, um alles in seinem Reich auszuspionieren, was seine Macht einschränken oder gar gefährden könnte. Reiner Schöne spielt die Figur überzeugend eitel und misstrauisch. Über jedes andere steht dem König, alles in seinem Reich selbst zu bestimmen und seine Macht noch zu vergrößern. Selbst seinen eigenen Bruder sperrt er dafür jahrelang weg, damit nicht ans Licht kommt, dass er diesem in ferner Vergangenheit Unrecht getan hat.
Als es zur Begegnung des Königs mit Endres kommt, entwickelt der Film eine spannende Dynamik: Endres bildet den genauen Gegenpol zum König. Tim Oliver Schultz ist jung, wirkt fast noch jungenhaft, was ihm eine gewisse Unschuld ins Gesicht schreibt. Er strebt aber nach Höherem als den Bauernstand und ist gütig, mutig und ehrgeizig – dadurch vereint er alle positiven Eigenschaften eines Königs.
Der Zuschauer ahnt voraus, dass Endres irgendwann die goldene Schüssel des Königs öffnet. Das Öffnen der Schüssel durch Endres bildet eine wichtige Schnittstelle im Film, handelt es sich doch schließlich um die ernsthafte Revolution gegen den König, um einen Bruch mit dem blinden Gehorsam. In seiner Gier will der König nun auch die zweite weiße Schlange finden. Die Begegnung von Endres mit der noch lebenden weißen Schlange steht so nicht im Vorlagentext. Doch der Film schafft dadurch eine weitere interessante Symbolik: Endres hat die Schüssel geöffnet und dadurch auch das Tor zum Baum der Erkenntnis. Der Baum der Erkenntnis, an dem Adam und Eva von einer Schlange verführt werden, steht für die Überschreitung der Grenzen menschlicher Fähigkeiten. In diese Sphäre hat sich Endres begeben, jedoch nur für den König und nicht, weil er selbst nach übermenschlichen Kräften strebt. Und deshalb ist es am Ende der König, der für seine Superbia von der Schlange bestraft wird und Endres darf König werden.
„Die weiße Schlange“ legt als filmische Umsetzung gekonnt ihren Fokus auf den Kampf zweier Gegenpole (Endres und König Konrad), wodurch eine spannende Dynamik erzeugt wird. Ein zuweilen düsterer, aber symbolreicher Film.


19.02.2018

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