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Die sechs Schwäne (D 2011)

An ihrem 18. Geburtstag stößt Constanze auf ein streng gehütetes Geheimnis. Sie entdeckt staunend, dass es sechs Brüder geben muss, die durch ein unbedachtes Wort des Vaters am Tag von Constanzes Geburt in schneeweiße Schwäne verwandelt worden sind.

Constanze ist fassungslos, als plötzlich die sechs Schwäne erscheinen. Sie erklären ihrer Schwester, dass nur sie allein den Fluch bezwingen kann: Sechs Jahre lang dürfe Constanze kein einziges Wort sprechen und müsse Hemden aus Brennnesseln nähen. Die Hemden könnten die Schwäne wieder in Menschen verwandeln. Constanze überlegt keine Sekunde.

Augenblicklich verlässt sie den Hof und den reumütigen Vater, begibt sich mutig in die dunklen Wälder und beginnt einsam und stumm ihr schmerzhaftes Tagwerk. Als sie eines Tages auf den Prinzen des Landes trifft, wandelt sich ihr Leben erneut. Der Prinz verliebt sich so unsterblich in die rätselhafte Fremde, dass er trotz allen Widerstands seiner Mutter Constanze heiratet.

Während das Mädchen versucht, ihre Liebe zu schützen und gleichzeitig ihrem Versprechen nachzukommen, das Garn für die Hemden zu spinnen, wächst die Missgunst der alten Königin mehr und mehr. Sie legt ein Gespinst aus Intrigen und Verleumdungen um das unschuldige Mädchen und nennt sie unverhohlen eine Hexe, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden müsse.

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Filminformationen
Regie: Karola Hattop
Drehbuch: Inès Keerl
Kamera:
Konstantin Kröning
Ton:
Martin Witte, Oliver Hemm
Schnitt:
Melanie Werwie
Musik:
E. Hosenfeld, M. Denis, T. Stanzel
Licht: Uli Klotz
Maske:
Astrid Lehmann, Judith Kröher
Kostüme:
Friederike Tabea May
Szenenbild:
Tom Hornig
Produktion:
 Kinderfilm GmbH
Produzent: Ingelore König
Redaktion:
Irene Wellershoff, Götz Brandt
Auftragssender:
ZDF
Drehorte: Neuenburg (Freyburg),
Kloster Memleben, Burg Querfurt,
Geiseltalsee, Ziegelrodaer Forst, Burg
Kriebstein, Kloster Schulpforta
Drehbeginn: 18.10.2011
Drehende:
15.11.2011
Erstausstrahlung:
26.12.2012 (ZDF)
Spieldauer:
89 Minuten
Autor:
Brüder Grimm
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Darsteller

Constanze: Sinja Dieks
Prinz Markus:
André Kaczmarczyk
Königin Sieglinde:
Julia Jäger
Heinrich:
Anton Algrang
Hofmeister Otto:
Henning Peker
Hermine:
Katja Lechthaler
Gwendolyn:
Klara Deutschmann
Zofe Maria:
Julia Schäfle
Benjamin:
Arved Friese
Wilhelm:
Bjarne Meisel
Michael:
Paul Alhäuser
Tilmann:
Jonas Hämmerle
Peter:
Timon Straka
Alfons:
Timon Wloka
Musiker: Nancy Thym
Musiker: Thilo Viebrig

Fotos: ZDF / Steffen Junghans
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 Erschienen auf DVD
Einzel-DVD
DVD-Box
 Trailer
 Drehbericht
   
 

Autor Marcel Zischg

Marcel Zischg, geboren 1988 in Meran, aufgewachsen in Naturns im Vinschgau.
Nach dem Schulabschluss an der Handelsoberschule „Franz Kafka“ in Meran folgt das Studium der Germanistik in Innsbruck.
Unter dem Titel „Sehnsucht“ erschien im Jahr 2010 Zischgs Erzählung „Das Haus“ in der Studentenzeitschrift „Der Kaktus“ der Universität Innsbruck.
Im August 2012 schloss Zischg sein Bachelorstudium in Germanistik ab. Seit Oktober 2012 studiert er wieder Germanistik, diesmal als Masterstudium. Mitte 2013 wird Zischgs erster Erzählband „Familie am Bach“ im Provinz-Verlag in Südtirol erscheinen.

Die Loslösung aus der Königsebene im Film?

Als Vorlagen dienten dem ZDF zwar die Märchentexte „Die sechs Schwäne“ von den Brüdern Grimm sowie „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen, jedoch ist in diesen Texten die weibliche Heldin stets eine Königstochter. Im Film ist die Hauptfigur Constanze in der proletarischen Ebene angesiedelt (sie lebt auf einem kleinen Bauernhof), und nicht nur das: es ist eine weite, rätselhafte, sehnsuchtsgeladene, aber auch bedrohliche Naturstimmung, in der sich der Mensch behaupten muss – die Exposition für den Weg Constanzes, des Mädchens, das an seinem 18. Geburtstag das streng gehütete Geheimnis um den Fluch ihrer Brüder erfährt. Sinja Dieks spielt die weibliche Hauptrolle und überzeugt durch ihre bescheidene, sehnsuchtsvolle Ausstrahlung. An ihrer Seite spielt André Kaczmarczyk den toleranten und verliebten Prinz Markus.

Der Film zeichnet sich durch die Glaubwürdigkeit der einzelnen Handlungen aus, auf der bösen Seite fungiert Julia Jäger als Königin Sieglinde, die durch alle möglichen Intrigen das junge Liebesglück ihres Sohnes zu zerstören trachtet. Schließlich ist eine standesübergreifende Verbindung für das Königshaus undenkbar. Zudem zeigt der Film sehr gut, dass Julia Jäger die Personifikation der Korruption des Adels über das Volk (in diesem Fall durch Constanze verkörpert) darstellt. In diesem korrupten Machtdenken gefährdet die Königin sogar das Wohlwollen ihres Sohnes, denn Jäger wird in ihrer Rolle permanent vom aristokratischen Machtdenken geleitet.

Sechs Jahre darf Constanze kein einziges Wort sprechen und muss ihren sechs Brüdern in dieser Zeit Hemden aus Brennnesseln nähen – ein Motiv, das bereits aus der tschechoslowakischen Märchenverfilmung „Die sieben Raben“ sowie aus der Andersen-Geschichte „Die wilden Schwäne“ bekannt sein dürfte. Der Film gewinnt durch diese Bezüge allerdings auch eine intermediale Wertigkeit. Aber auch eine mittelalterlich-religiöse Komponente zum Schicksal der heiligen Jungfrau von Orleans ist nicht auszuschließen. Denn schließlich bringt auch Constanze ein großes und selbstloses Opfer. Diese Mehrdeutigkeit gibt Raum für viele Assoziationen.

Im Bereich der Filmkulissen sind alle Handlungsorte positiv hervorzuheben: Neuenburg (Freyburg), Kloster Memleben, Burg Querfurt, Burg Kriebstein und Kloster Schulpforta. Burg Querfurt diente mit seiner Kapelle als Hochzeitskulisse, Burg Kriebstein stellte die Burg von außen dar, Burg Neuenburg war der Drehort innen (beispielsweise im Hof, wo Constanze verbrannt werden sollte), weitere Innenszenen wurden in Kloster Memleben und Kloster Schulpforta gedreht. Innerhalb dieser Gebäude kontrastieren bzw. bekämpfen sich immer wieder zwei Farben: Schwarz und Weiß. Hell wechselt mit Dunkel, Tag mit Nacht, Wahrheit mit Lüge. Diese farbliche Kontrastierung in den Filmbildern (vieles wird oft schwarz oder weiß bzw. hell oder dunkel dargestellt) schafft zugleich eine dichte und bedrohliche Atmosphäre.

„Die sechs Schwäne“ ist ein Film über Freiheit und Loslösung vom eigenen Elternhaus und von dunklen, mittelalterlichen Machttrieben. Das ZDF schafft es durch eine große atmosphärische Dichte und den beiden ehrgeizigen Hauptdarstellern das Märchen in einer gelungenen und menschlichen Neuinterpretation zu präsentieren.


Gesamtbewertung: Sehr gut (1)

21.11.2013

Bewertungsraster: 1: Sehr gut 2: Gut 3: Zufriedenstellend 4: Genügend 5: Mangelhaft

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