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Der Eisenhans (D/A 2011)

Der zaubermächtige Naturgeist Eisenhans lebt seit Menschengedenken im Wald und verbreitet Angst und Schrecken. Als der verwegene Schwarze Ritter den Eisenhans eines Tages gefangen nimmt und an den Königshof bringt, verwehren der König und die Königin ihm jedoch den verlangten Lohn.

Der Schwarze Ritter beraubt daraufhin die erstaunte Hofgesellschaft und verschwindet. Den Eisenhans lässt er im Kerker zurück. Der kleine Prinz Johannes ist sofort fasziniert von dem wilden Mann. In der Nacht befreit er den Gefangenen und folgt ihm in den dunklen Wald.

An der ihm vom Eisenhans gestellten Aufgabe, den Zauberbrunnen rein zu halten, scheitert der Prinz jedoch kläglich. Ein Moment der Unaufmerksamkeit genügt, schon fallen seine Haare ins Brunnenwasser und färben sich unauslöschlich golden.
Der Prinz wird zur Bestrafung vom Eisenhans aus dem Wald vertrieben. Als Bettler findet er Anstellung an einem fremden Königshof. Als der Schwarze Ritter erneut gewaltsam in Johannes' Leben einbricht, entschließt sich der inzwischen Erwachsene gegen den Schwarzen Ritter zu kämpfen, und hofft, mit dem Sieg seinem Los als gefallener Prinz zu entkommen und zugleich das Herz der jungen Königstochter zu erobern.

Was der Prinz jedoch nicht ahnt: Der Eisenhans verfolgt seinen Weg aus der Ferne und hält seine schützende Hand jederzeit über ihn.

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Filminformationen
Regie: Manuel Siebenmann
Drehbuch: Rudolf Herfurtner
Kamera:
 Hermann Dunzendorfer
Musik:
Christine Aufderhaar
Ton:
Roman Schwartz
Kostüme:
Zizi Lehner-Bohrer
Maske:
Renate Bauer
Szenenbild:
Rudi Czettel
Produktion:
Moviepool GmbH, Provobis,
Tellux-Film
Produzent: Thomas Teubner, Martin Choroba,
Golli Marboe
Redaktion:
Götz Brandt, Irene Wellershoff
Auftragssender:
ZDF
Drehorte: Burg Rapottenstein, Burg
Finstergrün
Drehbeginn: 21.06.2011
Drehende:
16.07.2011
Erstausstrahlung:
24.12.2011 (ZDF)
DVD-VÖ:
09.11.2012
Spieldauer:
83 Minuten
Autor:
Brüder Grimm
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Darsteller

Eisenhans: Michael Mendl
König: Johann Adam Oest
2. König:
Bernd Jeschek
Königin:
Marion Mitterhammer
Schwarzer Ritter: 
André M. Hennicke
Prinz Johannes: 
Laurence Rupp
Prinzessin:
 Paula Schramm
Johannes klein: Leopold Conzen
Haushofmeister: Alexander Jagsch
Sohn des Gärtners: 
Samuel Jung
Krieger: 
Christoph von Friedl
Diener:
 Martin Oberhauser
Koch: Karl Fischer
Kinderfrau: Mareike Seidl
Knappe: Cornelius Obonya

Fotos: ZDF / Petro Domenigg, Claudia Bräuer
Um eine größere Darstellung der Fotos zu erzielen, bitte einfach auf die kleinen Fotos links klicken.
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 Erschienen auf DVD
Einzel-DVD
 
 Drehbericht
   
 

Autor Marcel Zischg

Marcel Zischg, geboren 1988 in Meran, aufgewachsen in Naturns im Vinschgau.
Nach dem Schulabschluss an der Handelsoberschule „Franz Kafka“ in Meran folgt das Studium der Germanistik in Innsbruck.
Unter dem Titel „Sehnsucht“ erschien im Jahr 2010 Zischgs Erzählung „Das Haus“ in der Studentenzeitschrift „Der Kaktus“ der Universität Innsbruck.
Im August 2012 schloss Zischg sein Bachelorstudium in Germanistik ab. Seit Oktober 2012 studiert er wieder Germanistik, diesmal als Masterstudium. Mitte 2013 wird Zischgs erster Erzählband „Familie am Bach“ im Provinz-Verlag in Südtirol erscheinen.

Eisern sein – das bedeutet mächtig, kräftig, stählern, hart und beharrlich zu werden. Und genau das soll Prinz Johannes lernen. Mithilfe eines Waldgeistes findet ein junger Prinz zu Stärke, Standhaftigkeit, Ehre und einem edlen Herz.

2011 setzte das ZDF das grimmsche Märchen vom „Eisenhans“ um. Hatte die „Eisenhans“-Verfilmung aus der DDR den Eisenhans als Hüter der Natur und des Friedens hervorgehoben, setzt die Neubearbeitung ihr Hauptaugenmerk auf den Prinzen und dessen männliche Identitätsfindung. In der Hauptrolle des erwachsenen Prinzen ist Laurence Rupp zu sehen, der seine Rolle ernst und authentisch, aber auch mit dem nötigen Feingefühl, zu spielen weiß. Paula Schramm spielt die Prinzessin, die gerade durch ihre Spontaneität begeistert. Und Michael Mendl schlüpft in die Rolle des düsteren Eisenhans und verleiht dem Charakter eine geheimnisvolle Aura.

Zur Dramaturgie: Der Film spielt mit wichtigen Metaphern des Lebens: die Entwicklung von Johannes beginnt im Spiel mit der Mutter und dem goldenen Ball. Der goldene Ball symbolisiert die Kindheit, das Spiel mit der Mutter die enge Mutterbindung, was natürlich noch organisch und ursprünglich wirkt. Daneben steht ein abgehobener Königshof mit einem Herrscher, der kein Interesse zeigt für die Nöte seines Volks. Johannes versteht jedoch schnell, dass diese sorglose, verhätschelte Kindheit kein Dauerzustand ist, er muss die reale Welt vor den Toren des Königshofs kennen lernen und sich behaupten, um im Leben seinen Platz einzunehmen – eine zeitlose Botschaft, für das Leben eines jeden Menschen ausschlaggebend.

Die Entwicklung vom Kind zu Mann beginnt mit der Rebellion gegen den Vater. Erste Ansätze für die Rebellion werden bereits im Gespräch von Johannes mit der Mutter deutlich: „Wie kannst du nur glauben, dass sich irgendwer über das Gesetz deines Vaters erheben würde?“, fragt die Mutter Johannes. Geschickt bereitet der Film jedoch bereits im mehrmaligen Hinterfragen von Johannes den Gesetzesbruch des Sohnes gegen den Vater vor.

Und nicht umsonst lautet der Name des Prinzen Johannes: Hans ist eine Kurzform und Hänschen eine Diminutivform des Namens. Der Eisenhans ist somit eine Seite an Johannes, die für seine eigenen Seelenzustände steht. Denn schlussendlich fühlt sich Hänschen selbst als ein Gefangener im Schloss, er muss zuerst ausbrechen aus dem elterlichen Käfig, um sich selbst zu entwickeln. Hänschen befreit den Eisenhans und beendet dadurch seine Kindheit. Nun steht ihm endlich die Welt außerhalb des väterlichen Hauses offen.

Zunächst dient Hänschen dem Eisenhans. Diese Übergangsphase vom Kind zum Mann gestaltet der Film im Reich des Eisenhans – anhand archaischer Bilder: man wird durch einen geheimnisvollen Wald mit dichten Nebelschleiern geführt, spaziert unter einem wolkenverhangenen Himmel und unter hohen Baumkronen bis zu dem rätselhaften Goldbrunnen. Die Aufgabe des kleinen Prinzen besteht nun darin, den Brunnen zu bewachen. Nichts darf in den Brunnen hineingeraten! Der Brunnen scheint eine Allegorie für das eigene Leben zu sein, dem der kleine Junge noch nicht gewachsen ist. Anders als in der Kindheit (Goldball), steht das Gold nun für den Ernst, die Aufmerksamkeit und Anerkennung – für Werte, denen ein Kind natürlich noch nicht gewachsen ist. Nachdem Johannes sein Finger und beim zweiten Mal sein Haar in den Brunnen geraten sind, muss er das Reich des Eisenhans also verlassen.

Wieder beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn jetzt ist Johannes erwachsen geworden. Er kommt auf ein fremdes Schloss, wo er als Küchenjunge hilft. Hier fügt der Film geschickt einen weiteren intertextuellen Verweis zum Märchen „Allerleirauh“ ein, denn sehr wohl kann man die Flucht und Entwicklung von Johannes als männliche Parallele zu Allerleirauhs Schicksal betrachten. Sowohl Allerleirauh als auch Johannes flüchten vor dem strengen Willen des Vaters. Im fremden Schloss angekommen lenkt Johannes nun die Aufmerksamkeit bereits dadurch auf sich, dass er eine köstliche Suppe zubereitet, dies imponiert dem König, weshalb er Johannes vor sich treten lässt (vgl. „Allerleirauh“). Der Text lässt einen solchen intertextuellen Verweis jedoch vermissen, so wird die Begegnung des Küchenjungen mit dem König nur knapp und praktisch begründet: „Einmal, als gerade kein anderer zur Hand war, hieß ihn (den Küchenjungen) der Koch die Speisen zur königlichen Tafel tragen (…)“.

Doch abermals ist es das Gold, welches Johannes’ Entwicklung vorantreibt. Nachdem Johannes später als Gärtnerbursche Arbeit gefunden hat, wird die Prinzessin auf ihn aufmerksam – wegen seiner goldenen Haare! Auch in der Darstellung der Prinzessin arbeitet der Film symbolisch: stets ist sie weißgekleidet zu sehen, was für ihre Jungfräulichkeit und Reinheit steht. Die Prinzessin verliebt sich in Johannes, doch ein schwarzer Ritter bedroht das Königreich. Die Farbe Schwarz steht wiederum für Angst und Tod. Johannes bittet den Eisenhans um Hilfe. Dieser erscheint ihm im Wald. Erst der Eisenhans gibt Johannes die Kraft und den Mut, nun zum Ritter zu werden, indem er ihn in Eisen schlägt.

Johannes kann den schwarzen Ritter im Kampf besiegen und rettet dem König das Leben. Jedoch tarnt er sich weiterhin als Gärtnerjunge. Doch was ist der Grund für dieses Zögern, warum gibt sich Johannes nicht endlich zu erkennen? Der Film löst diese Frage psychologisch, indem der unsichere Johannes den sich im Kerker befindenden schwarzen Ritter gegenübertritt. Der schwarze Ritter lacht über Johannes, denn er weiß, dass dieser ihn nur mit der Unterstützung des Eisenhans besiegen konnte. Johannes quälen also innere Ängste: Er kann sich nicht an seine Geliebte und an den Hof binden, denn er fürchtet, den notwendigen Tugenden für einen starken Herrscher noch immer nicht gewachsen zu sein. Erst als Johannes den schwarzen Ritter schließlich im Zweikampf besiegt, weiß er, dass er des Thrones würdig ist. Der Film weicht von der Textvorlage in seinem Schluss ab, denn der Eisenhans erscheint Johannes nun nicht mehr: Die männliche Entwicklung ist nämlich vollzogen – Johannes hat das Ziel seines Weges erreicht.

„Der Eisenhans“ ist ein Film über Selbstfindung, der viele Lücken der Textvorlage zu interpretieren weiß. Auf beeindruckende Weise bedient er sich zentralen Lebensmetaphern und mythologisch-mittelalterlichen Vorstellungswelten.


Gesamtbewertung: Sehr gut (1)

18.03.2013

Bewertungsraster: 1: Sehr gut 2: Gut 3: Zufriedenstellend 4: Genügend 5: Mangelhaft

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