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Allerleirauh (D 2012)

Wie soll König Tobalt bloß eine Frau finden, die so schön und anmutig ist? Auf ihrem Sterbebett hat die Königin ihm das Versprechen abgenommen, sich erst dann wieder zu vermählen, wenn die Schönheit der neuen Frau ihrer gleicht.

König Tobalt kommt die vermeintlich rettende Idee: Seine Tochter, Prinzessin Lotte, die ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist, soll seine Braut werden! Für Lotte eine scheinbar aussichtslose Situation.

Fassungslos über den Plan ihres Vaters, stellt sie ihm Aufgaben, die er wohl nie erfüllen können wird. Doch als er ihr sogar einen Mantel „von tausenderlei Pelz- und Rauhwerk“ schenkt, entschließt sich Lotte zur Flucht.

Mit Hilfe von Köchin Birthe, rußgeschwärztem Gesicht und dem schützenden Pelz verschwindet sie als Allerleirauh im finsteren Wald. Dort läuft sie dem jungen und charmanten König Jakob und seinen Jägern in die Arme. Die nehmen das „Rauhtierchen“ kurzerhand mit auf ihr Schloss und machen Lotte zur Küchenhilfe.

Ihr Leiden scheint kein Ende zu nehmen und von Rasmus, einem Freund Jakobs, hat sie allerlei Spott und Schikane zu ertragen. Einzig Koch Mathis ist ihr ein väterlicher Freund. Mit seiner Hilfe gelingt es ihr auch, zum großen Ball am Hofe eingelassen zu werden. Schon nach dem ersten Tanz mit der hinreißenden Lotte ist König Jakob bezaubert. Doch sie verschwindet urplötzlich und Jakob will sie unbedingt wiedersehen.

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Filminformationen
Regie: Christian Theede
Drehbuch: Dieter Bongartz, Leonie Bongartz
Kamera:
Felix Cramer
Ton:
Thorsten Schröder
Schnitt:
Martin Rahner
Musik:
Peter W. Schmitt
Kostüme:
Susanne Platz, Karin Lohr
Maske:
Nicole Skaletz, Nina Heppelmann
Szenenbild:
Andreas Lupp
Produktion:
Zieglerfilm Köln GmbH
Produzent: Elke Ried
Redaktion:
Ole Kampovski (NDR)
Auftragssender:
ARD, NDR
Drehorte: Schloss Marienburg, Hamburg, Schloss Hämelschenburg
Drehbeginn: 14.02.2012
Drehende:
06.03.2012
Erstausstrahlung:
26.12.2012 (ARD)
DVD-VÖ:
15.11.2012
Spieldauer:
60 Minuten
Autor:
Brüder Grimm
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Darsteller
Prinzessin Lotte: Henriette Confurius
König Tobalt:
Ulrich Noethen
König Jakob:
André Kaczmarczyk
Koch Mathis:
Fritz Karl
Rasmus:
Adrian Topol
Ratsherr Richard:
Wilfried Dziallas
Prinzessin Larissa:
Laura Vietzen
Köchin Birthe:
Gabriela Maria Schmeide
Prinzessin Friederike:
Nina Gummich
Jäger Bernd:
Jan Stapelfeldt
Fotos: NDR / Marion von der Mehden
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Autor Marcel Zischg

Marcel Zischg, geboren 1988 in Meran, aufgewachsen in Naturns im Vinschgau.
Nach dem Schulabschluss an der Handelsoberschule „Franz Kafka“ in Meran folgt das Studium der Germanistik in Innsbruck.
Unter dem Titel „Sehnsucht“ erschien im Jahr 2010 Zischgs Erzählung „Das Haus“ in der Studentenzeitschrift „Der Kaktus“ der Universität Innsbruck.
Im August 2012 schloss Zischg sein Bachelorstudium in Germanistik ab. Seit Oktober 2012 studiert er wieder Germanistik, diesmal als Masterstudium. Mitte 2013 wird Zischgs erster Erzählband „Familie am Bach“ im Provinz-Verlag in Südtirol erscheinen.

Der ARD-Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“ ist auch mit „Allerleirauh“ ein guter Film geglückt, der auf Herrscherverhältnisse und Schönheitskonzepte abzielt.
Eine Prinzessin unterhält sich mit ihrer Köchin über die Liebe, so der Anfang des Films. Positiv hervorzuheben ist an diesem Einstieg die Tatsache, dass hier schon einmal zwei Ebenen aufeinandertreffen: die königliche und die (wie im Film häufig dargestellt) schmutzige und niedrigere Dienerschicht. Immer wieder scheinen sich diese zwei Ebenen im Film zu bekämpfen, was beispielsweise daran erkennbar wird, dass sich auch die Köchin gegen das königliche Urteil stellt.

Vergleichen wir jedoch den Filmeinstieg mit dem des Originalmärchens, so fällt auf, dass weiter ausgeholt werden sollte: Der Text steigt nämlich mit dem Tod der Königin ein. Doch zu Beginn des Films ist die Königin bereits verstorben. Essentiell für die Geschichte wäre ein Vergleichsmaß der Hauptdarstellerin mit der verstorbenen Königin gewesen, um das Idealbild von Schönheit, das den König verblendet, noch nachvollziehbarer zu machen. Da der Film dieses Vergleichsmaß nicht bietet (die verstorbene Königin wird nicht ins Bild gesetzt), bleibt einzig Allerleirauh als Schönheitsprojektion bestehen. Die Frage, worin der König die Schönheit von Allerleirauh  sieht, ist durch das fehlende Vergleichsbild mit der Mutter allerdings erschwert zugänglich.

Sehr gut die Kulissen des Films. Hervorzuheben ist auch die romantische Grundstimmung, welche durch die geheimnisvollen Nachtbälle ins Licht rückt, in denen Allerleirauh sich in eine Prinzessin verwandelt. Henriette Confurius spielt die verträumte und ehrgeizige Prinzessin Allerleirauh sehr beeindruckend.

Zentrales Kriterium bleibt allerdings die Liebesgeschichte: Im Gespräch mit der Köchin erzählt Allerleirauh von ihrem Traum eines Reiters auf dem weißen Pferd. Dieses Bild mutet leider etwas stereotyp an und bestätigt den Erwartungshorizont eines naiv-träumerischen Menschen.
Mit dem Bild wird allerdings gebrochen, als sich der besagte „Ritter auf dem weißen Pferd“ als eingebildeter König erweist, was wiederum der Unzulänglichkeit solcher Klischees gut entspricht – ein schöner Bruch.

Der König nimmt Allerleirauh in seine Dienerschaft auf. Trotzdem der König Allerleirauh allen möglichen Demütigungen aussetzt, kann sie nicht von der Liebe zu ihm lassen, was ein Bild von weiblicher Abhängigkeit und Unterordnung gegenüber dem patriarchalen Herrscher vermittelt. In dieser Form vertritt der Film eine weitaus unterwürfigere Art der Allerleirauh-Figur als der Ausgangstext, in welchem Allerleirauh als sehr reflektiert und eigenmächtig (im Sinne von ‚verführerisch’) dargestellt wird. Der König, der eine Abscheu gegen das schmutzige Allerleirauh ausdrückt (ob er sie wirklich empfindet, bleibt leider etwas unklar), lebt in seiner kapitalistischen Welt. Ein authentisches Gefühl von Liebe wird nicht vermittelt, doch scheint es dem Film auch nicht um die wahre Liebe zu gehen, wie sie Allerleirauh eigentlich finden will, sondern der König scheint sich von allem abzuheben, was ihm ästhetisch nicht gefällt und ihm hierarchisch untergeordnet ist.
In einer Szene, in der Allerleirauh dem König die Suppe bringt, scheint er das Dienstmädchen gar nicht wahrzunehmen. Der Film schafft es, mit André Kaczmarczyk einen König in Szene zu setzen, der sich mehr in die Schönheit verliebt als in den Menschen – eine der Kernbotschaften des Märchens wird dadurch gekonnt vermittelt: diejenige von zwei Königen, die sich in eine bestimmte Form von Schönheit verlieben.

Die besondere Stärke des Films liegt also in der gelungenen Polarisierung von Bild (im Sinne von Idealbild oder Klischee) und Entsprechung in der Wirklichkeit, ein sehr zeitgenössisches Konzept.


04.05.2013

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